Althengstett setzt sich aus drei Ortsteilen zusammen: Althengstett (früher Hengstett), Neuhengstett (früher Colonie Simmozheim) und Ottenbronn. Jeder der Teile hat seinen ganz eigenen Charme: Ottenbronn atmet das Flair des Nordschwarzwalds; der Ortsausgang beim Friedhof senkt sich in das erste große Schwarzwaldtal hinab - unten durcheilt die Nagold die Kreisstadt Calw und strömt dann am Kloster Hirsau vorbei Richtung Pforzheim. Neuhengstett hingegen prägt bis heute das Erbe der im Jahre 1700 hier angesiedelten Waldenser. Und in Althengstett schließlich schlägt das Herz der Verwaltung; Firmen und Gewerbe von der Sektkellerei übers Radfachgeschäft bis zum Bau-Unternehmen lassen die Wirtschaft brummen.
Mammuts zogen schon vor den ersten Menschen durch die Gebiete am Ostrand des heutigen Schwarzwalds - jedenfalls legten Grabarbeiten Überreste der gewaltigen Tiere frei. Wann ein Mensch das erste Mal die Wälder hier erforschte und woher er stammte, das bleibt im Unklaren. Acht Hügelgräber im Unteren Wald bezeugen jedoch die Anwesenheit von Menschen schon in der Eisenzeit (1000 v. Chr. bis 500 v. Chr.).
Die Kelten erreichten den Rand des Schwarzwalds um 400 v. Chr. und blieben bis rund 100 n. Chr. Ihre Hauptstraße war die "Ochsenstraße". Dieser Höhenweg führte von Stammheim an Jägerberg und Ostelsheim vorbei nach Aidlingen.
Um 80 n. Chr. besetzten die Römer für rund 300 Jahre auch Gebiete im heutigen Landkreis Calw. Sie zählten zur Provinz Germania Superior. Zwei alte Römerstraßen auf Althengstetter Gebiet erzählen heute noch von dieser Zeit: Die eine führte östlich am Ort vorbei Richtung Neuhengstett, die andere verlief zwischen Jäger- und Heimberg. Aus dieser Zeit (bis ca. 150 n. Chr.) stammen auch Gräber und Brunnen der Kelten, die man an manchen Stellen mit viel Spürsinn entdecken kann.
Wahrscheinlich geht das heutige Althengstett auf die Franken zurück, die in der Gegend um 700 erste Siedlungen anlegten.
Papst Leo IX. soll 1049 während einer Reise die hiesige Markuskirche geweiht haben.
Vor der zweiten Gründung des Klosters Hirsau am Ende des 11. Jahrhunderts besaß Althengstett eine große regionale Bedeutung: Seine Marien- und Markuskirche war Mutterkirche für Calw und Altburg - und Althengstett somit das geistliche Zentrum der Region.
Um 1120 - Minnesang, Lehnswesen und Rittertugenden standen gerade hoch im Kurs - wurde Althengstett das erste Mal namentlich erwähnt, als "Hingestetten": Hingo, ein Bediensteter der Calwer Grafen, soll in Althengstett eine Burg errichtet haben, daher auch der Name "Platz des Hingo". Damals umgaben eine Mauer und ein Graben Kirche und Burg; eine Zugbrücke habe Burg und Kirche verbunden, heißt es in einer Quelle, wovon die heute noch sichtbare Türöffnung im Giebel der Kirche zeuge.
Ursprünglich war Hengstett also im Besitz der Grafen von Calw, wechselte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts aber in den Besitz der Grafen von Zweibrücken, nachdem die Hauptlinie der Calwer Grafen ausgestorben war. Am 19. Oktober 1300 verkauften die Grafen von Zweibrücken Hengstett an das Kloster Herrenalb und an Friedrich von Hohenheim, den Schultheiß zu Eßlingen, der den Besitz aber nicht auf Dauer hielt. Ausgenommen vom Verkauf war allerdings das Kirchenpatronat. Diesen Pfarrsatz verkauften die Zweibrücker Grafen aber schon 1301 an den Grafen von Württemberg, der ihn 1342 an das Kloster Hirsau weiterreichte.
Zwischen 1397 und 1509 erwarben und verkauften die Klöster Hirsau und Herrenalb, aber auch betuchte Herren, unter anderem von Waldeck, Merklingen und Gärtringen, Höfe und Güter auf heutiger Althengstetter Gemarkung.
1595 wurden der Großteil der Mauer und die Hingo-Burg abgebrochen.
Wie viele Ortschaften und Städte litt auch Althengstett unter den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648). Einwohner wurden zur Landesverteidigung herangezogen, kaiserliche Truppen quartierten sich ein, Bayern, Franzosen und Schweden plünderten den Ort. Die Folge des Kriegs: eine Hungersnot, an die sich die Heimsuchungen durch die Pest anschlossen. Die Einwohnerzahl sank von 660 vor dem Krieg auf 220. Und es dauerte 120 Jahre, bis die Bevölkerung wieder auf den Vorkriegsstand angewachsen war.
Ende des 18. Jahrhunderts quartierten sich im Zuge der revolutionären Handlungen wieder Truppen in den Gäuorten ein, darunter auch in Althengstett. Dieses Mal stammten die Soldaten aus Österreich: Als sie 1796 bei Herrenalb und Rotensol besiegt wurden, zogen sie sich über Hengstetter Gebiet zurück, mit den Franzosen im Nacken. Am 13. Juli 1796 soll zwischen Althengstett und Simmozheim ein Vorpostengefecht der beiden Parteien stattgefunden haben. Ab 16. und 17. Juli plünderten die Franzosen einige Gäuorte, so auch Althengstett. Selbst die Kirche war nicht vor ihnen sicher, und viele Althengstetter gaben den Forderungen nach vor allem Lebensmitteln und Vieh, aber auch Geld"geschenken" und Schuhen nach, um größeren Schaden abzuwenden. "8 Tage lang, vom 15. bis 22.Juli, konnten in der Gemeinde keine Gottesdienste abgehalten werden", schrieb der damalige Althengstetter Pfarrer.
Der Erste Weltkrieg und die Nazi-Herrschaft kaum 20 Jahre später gingen auch an Althengstett nicht spurlos vorüber. Zwei Denkmäler stehen in Althengstett und Ottenbronn exemplarisch für die Gräuel der Hitler-Zeit: der Stolperstein Großhans und der Gedenkstein Tomczak/Zipperer. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief der Alltag gedämpft. So verbot zum Beispiel die französische Besatzungsmacht zunächst alle Vereine. Mit der Zeit - und mit wachsendem Abstand zum Krieg - nahm das Leben wieder Fahrt auf; auch das Wirtschaftswunder schaute in Althengstett vorbei.
Und doch prägte lange die Landwirtschaft das Bild in Althengstett, Neuhengstett und Ottenbronn. Ab Ende der 50er Jahre begannen die Einwohnerinnen und Einwohner vermehrt, in Sindelfingen und Böblingen einer Arbeit nachzugehen; Höfe wurden nach und nach nur noch im Nebenerwerb oder auch gar nicht mehr bewirtschaftet.
Am 1. Oktober 1974 verloren Neuhengstett und Ottenbronn durch die Kommunalreform ihre Eigenständigkeit und sind seitdem Ortsteile von Althengstett. Im gleichen Jahr weihte die jetzt vergrößerte Gemeinde das Sportzentrum mit Hallenbad und dreiteiliger Sporthalle ein, und der Nachbarschaftsschulverband mit Gechingen, Ostelsheim und Simmozheim wurde gegründet. Das gipfelte 1981 im Bau des Schulzentrums.
Schon 1976 trat Althengstett dem Zweckverband Schwarzwaldwasserversorgung bei, und seit 1990 versorgt der Bodensee die Gemeinde mit Wasser.
1982 kam der Bau des Kindergartens Nordstraße; 1994 folgte die KiTa in der Jahnstraße und 2022 der jüngste Neuzugang: die KiTa Poststraße.
Die Althengstetter Neue Ortsmitte "Am Hirschgarten" feierte 2023 ihr zehnjähriges Jubiläum, der Dorfplatz in Ottenbronn erfuhr im Jahr 2017 eine Neugestaltung mitsamt Essbarem Dorf, und aktuell laufen die Planungen für die Ortskernsanierung in Neuhengstett auf Hochtouren.
Seit Februar 2026 verkehrt die wieder in Betrieb genommene Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Weil der Stadt bzw. Renningen und hält auch am Althengstetter Bahnhof.
Der Dreißigjährige Krieg und die nachfolgenden Pestjahre hatten einen großen Teil der Felder in herrenloses Ödland verwandelt, das wegen seiner schlechten Bodenqualität nicht mehr bebaut wurde. Am 30. August 1699 befahl Herzog Eberhard-Ludwig den Gemeinden Hengstett und Simmozheim, den waldensischen Glaubensflüchtlingen Obdach zu gewähren, damit diese im kommenden Winter geschützt wären. Am 17. August 1700 kamen noch weitere 27 Familien nach Simmozheim, 20 Familien nach Hengstett, acht Familien nach Möttlingen und vier Familien nach Ottenbronn.
Neuhengstett wurde am 1. September 1700 durch die Waldenser gegründet. Das meiste Land stammte von der Gemarkung Simmozheim, dann von Möttlingen und zu gleichen Teilen aus Hirsauischem Klosterbesitz und von Hengstett.
Von Seiten des Herzogs wurde nun alles getan, um das den Flüchtlingen zugewiesene Land zu roden, damit sie dort siedeln (anfangs in Zelten und Baracken) und den Boden bearbeiten konnten. Im Ackerbau und in der Viehzucht, wie sie in der Gegend betrieben wurden, hatten die aus Piemont und Savoyen stammenden Bergbauern so gut wie keine Erfahrung. Ebenso war ihnen die hier übliche Dreifelderwirtschaft unbekannt. So pflanzten sie vor allem Kartoffeln an, eine neue Feldfrucht wiederum für die Hiesigen. Außerdem brachten die Waldenser Ziegen mit, die im Wald sehr viel abfraßen - der Ärger mit den Einheimischen war vorprogrammiert. Den Deutschen passte es außerdem nicht, Land abtreten zu müssen, für das sie aber weiter Steuern zu zahlen hatten. Darüberhinaus sollten sie für die Waldenser arbeiten und ihnen beim Hausbau helfen. Da die Waldenser im ersten Jahr ihrer Ansiedlung nichts ernten konnten, mussten die Einheimischen ihnen Lebensmittel abtreten.
Ihren neugegründeten Ort nannten die Waldenser nach dem Wohnort in ihrer ehemaligen Heimat im Pregeltal, Le Bourset. Weitere Namen wie Abeldorf, Welsch-Hengstett, Simmozheimer Colonie führten jedoch in den amtlichen Büchern zu Missverständnissen. Deshalb beschloß die Regierung im Jahr 1711, dem Ort den Namen "Neuhengstett" zu geben. Ab diesem Zeitpunkt erhielt Hengstett die Vorsilbe "Alt" und hieß nun "Althengstett".
Ab 1704 zeichnete der Feldmesser Stahl Bauplätze aus und bestimmte die Breite der künftigen Gassen. Die Neusiedlung bekam auch eine Ortsmitte für Kirche und Rathaus zugewiesen - und für den Brunnen, der zu dieser Zeit ausreichend frisches Wasser führte. Um Häuser zu bauen, fehlte den Waldensern die Motivation - manch einer vermutete, dass sie planten, Neuhengstett nach Ablauf der Steuerbefreiung wieder zu verlassen. So stellte man sie 1706 vor das Ultimatum, entweder innerhalb von zwei oder drei Jahren Häuser an den zugewiesenen Stellen zu errichten oder alles wieder zu verlieren. Ende Juni 1708 gab es schließlich 19 Bauwillige.
In den ersten Jahren Neuhengstetts kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen um Felder, die die Waldenser für den Anbau dringend brauchten, aber nicht gern bekamen, um jungen Wald, in den sie ihre Ziegen nicht treiben sollten, und um das Wasser der Viehtränke Esslesbrunnen. Vor allem der Weidgang - wann die Waldenser wo und wie lange ihre Vieh weiden lassen durften - wurde immer wieder zum Zankapfel. Inzwischen hatten sie zu ihren Ziegen auch Rinder angeschafft, die Heu und Gras brauchten. 1716 wurde, wieder einmal, ein Weidbrief ausgestellt, 206 Morgen auf Simmozheimer Gemarkung durften jetzt ausschließlich die Waldenser für ihr Vieh nutzen, der Weg dahin war "versteint", also mit Steinen markiert, auf denen WW eingraviert war, für "Welscher Weidgang". Ähnlich wies man auch den Weg zum Esslesbrunnen aus. Manche Steine stehen heute noch.
Am 1. Oktober 1974 verlor Neuhengstett durch die Kommunalreform so wie Ottenbronn seine Eigenständigkeit und ist seitdem ein Ortsteil von Althengstett.
Wer mag, kann auf dem "Spirituellen Waldenserweg" der Geschichte der Glaubensflüchtlinge nachspüren oder einfach die vielen Stationen hier auf der Website besuchen, ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen. Auch heute noch pflegen die Waldenser Neuhengstetts ihre Traditionen, ein Besuch im Waldensermuseum lohnt ebenso wie ein Besuch der großen Jubiläumsfeiern, wie eine erst 2025 in Neuhengstett stattfand.
Ottenbronn weist die Vorform eines Waldhufendorfs auf; seine Erstbesiedlung liegt also vor der Entstehung der typischen Waldhufendörfer jenseits der Nagold. Unklar ist, ob es von Hirsau oder von Althengstett aus erschlossen wurde. Entstanden ist Ottenbronn vermutlich zwischen erster und zweiter Gründung des Klosters St. Aurelius in Hirsau, also zwischen 830 und 1050. Einige Fachleute bezweifeln, ob es sich hierbei schon um den Vorläufer des heutigen Ottenbronns gehandelt hat (s. Ortsteilportät).
Die Rodungsinsel um Ottenbronn war relativ klein; der Ort Schlehdorn, nur einmal 1310 erwähnt, lag vermutlich zwischen Ottenbronn und Althengstett. Der Flurname "Schlaichdorn" zumindest stärkt diese Annahme. Eine Karte zu den Besitztümern der Abtei Herrenalb um 1700 verortet Schlehdorn allerdings im heutigen Gerechtigkeitswald, also zwischen Simmozheim und Ottenbronn.
Manche Quellen behaupten schon ab Anfang des 9. Jahrhunderts eine Verzeichnung Ottenbronns als "Widemsgut" (d.h. kirchlicher Besitz) des Klosters Hirsau.
Gesichert ist jedoch, dass es unter dem Namen "Ottenbrunnan" 1075 zum ersten Mal eine geschichtliche Erwähnung erfährt: König Heinrich IV. nannte es in seinem Bestätigungsbrief als eine Neustiftung des Grafen von Calw. Die Herrschaftsrechte gingen später an die Grafen von Baden über. Von 1457 bis 1807 gehörte Ottenbronn zum Klosteramt Hirsau. 1807 gelangte es zum Oberamt Calw, im Zuge der Kreisreform wurde es 1938 dem Landkreis Calw zugeschlagen.
Am 1. Oktober 1974 verlor Ottenbronn durch die Kommunalreform so wie Neuhengstett seine Eigenständigkeit und ist seitdem ein Ortsteil von Althengstett.
Wahrscheinlich schon um 765, mit Sicherheit im Jahr 830 erhob sich am Fuß des Ottenbronner Bergs die Nazariuskirche auf einem Vorhügel. Ihn durchschneidet heute die Bahnlinie Calw-Pforzheim; der Hirsauer Bahnhof liegt nahe des alten Platzes des Kirchleins. Es erhob sich als gestreckter Bau mit Ostturm bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, zu sehen auf einem Bild von 1480, zerfiel dann und wurde endlich abgetragen. Lange noch hieß die Erhebung bei der Bevölkerung Nazariushügel.
Als gesichert gilt, dass die Siedler der verstreuten Höfe und Weiler zum Gottesdienst hierher kamen; später wurde die Nazariuskirche von der Bartholomäuskirche als Pfarrkirche des Dorfes Ottenbronn und der Orte des „Reichenbacher Amts“ abgelöst. Die Bartholomäuskirche erhob sich einst im heutigen Hirsauer Friedhof. Ein Dorf Hirsau gab es übrigens während des ganzen Mittelalters nicht; es entstand erst im achtzehnten Jahrhundert.
Heute kann man auf dem Kirchwegle immer noch steil und in engen Serpentinen von Ottenbronn nach Hirsau hinab- und hinaufsteigen.
Bis 1965 lenkten die Schultheiße und Bürgermeister (Alt)Hengstetts die Geschicke der Gemeinde im alten Rathaus in der Ortsmitte, das 1967 abgerissen wurde. Hier alle Oberhäupter im Kurzporträt, beginnend mit dem aktuellen Stand bis hin zum ersten verbürgten Schultheiß.
Der Althengstetter Rüdiger Klahm, schon lange Jahre im Gemeinderat, löst nach 16 Jahren Clemens Götz an der Rathaus-Spitze ab. Er engagiert sich unter anderem für die Hermann-Hesse-Bahn, die am 31.01.2026 mit ihrer Jungfernfahrt in Betrieb geht.
Gegen sechs Mitbewerber, darunter Vorgänger Jörg Nonnenmann, setzt sich Clemens Götz bei der Wahl 2007 durch. In seine Ägide fallen: die Neue Ortsmitte in Althengstett und der neue Dorfplatz in Ottenbronn nebst Umzug der Ortsverwaltung dorthin, diverse Baugebiete, die Sanierungen des Gerhard-Schanz-Sportzentrums und der Turn- und Festhalle Neuhengstett, der Neubau der KiTa Poststraße und die Erweiterung des Gewerbegebiets. Außerdem setzt sich Götz für den Zusammenhalt in der Gemeinde ein, engagiert sich für die Geschichte der Waldenser Neuhengstetts, pflegt Kontakte zur Partnerstadt Moutiers-les Mauxfaits innnerhalb des Partnerschaftskomitees Althengstett e.V.
Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt bleibt er dieser Beziehungspflege ehrenamtlich treu und engagiert sich darüber hinaus unter anderem als 1. Vorsitzender des Krankenpflegevereins.
Nach einer Amtszeit wird Jörg Nonnenmann von Clemens Götz abgelöst.
42 Jahre lang prägt Gerhard Schanz das Gesicht Althengstetts. Bei seinem Amtsantritt ist er der mit 26 Jahren jüngste Bürgermeister des Landkreises Calw. Das Rathauspersonal besteht zu dieser Zeit aus dem Gemeindepfleger, dem Amtsdiener Richard Luz und einer Schreibkraft. Mit dem Anstieg der Bevölkerungszahl wächst auch der Raumbedarf im Rathaus. Deswegen zieht Schanz am 27. November 1965 in das neue Rathaus in der Simmozheimer Straße um. Weitere Großprojekte in Schanz' Amtszeit: Anschluss an die Schwarzwaldwasserversorgung, Bau von Kläranlage und Schul- und Sportzentrum, Eingemeindung von Neuhengstett und Ottenbronn, Erweiterung des Rathauses. Nebenbei ist er noch in mehreren Ehrenämtern tätig. Seine fünfte Amtszeit vollendet er nicht, da er aus Altersgründen (Vollendung des 68. Lebensjahrs) ausscheiden muss.
1988 überreicht ihm Landrat Hans-Werner Köblitz das "Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland".
Am 1. Oktober 2008 erhält das Sportzentrum seinen Namen. Auf den Tag vor 51 Jahren hat Schanz als junger Mann sein Amt in der damals 1515 Köpfe zählenden Gemeinde angetreten.
Diese Ehrung erlebt Schanz nicht mehr; er stirbt 2006.
Der 1903 in Stuttgart geborene Karl Röttinger kämpft noch mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs. Vor allem die Wohnraumbeschaffung für Einwohner und auch Heimatvertriebene stellt ihn vor große Herausforderungen. Anfang der 50er Jahre beginnt die Bebauung der "Lindenäcker". Mitte der 50er Jahre sollen Grundstücke an die Calwer Garnison gehen, für einen Truppenübungsplatz, unter großem Protest der Althengstetter. Röttinger vermittelt, und am Ende wechseln nur "Hinterm Brand" und "Hinterm Hau" den Besitzer, nicht aber "Tannenäcker" und "Omelesberg". Der Bau der Schule und der Rohbau der Festhalle fallen noch in Röttingers Amtszeit.
Er stirbt am 2. Januar 1961.
Max Winkler wird im Jahr 1900 in Dresden geboren und wächst auch dort auf. Nach dem Ersten Weltkrieg bildet sich der Maschinen- und Werkzeugtechniker zum Bautechniker weiter und wirkt beim Bau der Sibirischen Eisenbahn, des Staudamms von Assuan und bei Brücken- und Eisenbahnbauten in Argentinien, Brasilien und Indonesien mit. Von 1931 bis 1933 arbeitet der Techniker bei der Stadt Stuttgart, wird aber zu Beginn der Nazi-Herrschaft als "politisch untragbar" entlassen und unter ständige Polizeiaufsicht gestellt. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wird er zur Wehrmacht eingezogen.
Am 6. November 1945 setzt die französische Militärregierung Winkler als kommissarischen Bürgermeister ein. Ein schweres Amt, denn er muss für die Besatzungsmacht Getreide, Kartoffeln, Milch, Eier, Schweine und sogar sieben bis acht Stück Großvieh pro Monat bereitstellen. Oft warnt er die Einwohner vor Besuchen der Kommission und vermittelt und besänftigt so gut es geht. Im September 1946 wird er offiziell zum Bürgermeister gewählt. Bei der Wahl im Dezember 1948 unterliegt er seinem Konkurrenten Karl Röttinger.
Winkler stirbt am 9. Juni 1951 in Stuttgart-Zuffenhausen.
Nachdem Gottlieb Braun 1936 als Bürgermeister lieber in den Ruhestand als ins Konzentrationslager ging, setzt ihn 1945 der französische Kommandant George interimsmäßig erneut als Rathaus-Chef ein. Am 11. Oktober bittet Braun um seine Entlassung, da es ihm zunehmend schwer fällt, Lebensmittel für 60 Fremdarbeiter und eine Kompanie französischer Soldaten aus der Bevölkerung zu beschaffen.
Der Calwer Kreisleiter sieht den Ostelsheimer Bürgermeister Max Pape als Bürgermeister für Althengstett vor. Eine Wahl und auch die Ausschreibung dafür entfällt so. Ob Pape die nationalsozialistische Gesinnung wirklich teilt, verbirgt der Schleier der Geschichte. Unnahbar soll er gewesen sein und entsprechend streng auftreten. Er erfüllt jedenfalls die aufgetragenen Aufgaben und wird am 20. April 1945 von der französischen Besatzungsmacht abgeholt und in einer leer stehenden Baracke des ehemaligen Munitionslagers im Unteren Wald einquartiert. Während der Gefangenschaft zieht sich Pape ein schweres Leiden zu und erholt sich nie davon. 1950 wird er auf dem Althengstetter Friedhof beigesetzt.
Mit seiner Familie siedelt der aus Möhringen stammende Gottlieb Braun nach Althengstett um und tritt das Amt als Schultheiß an. Im heißen Sommer 1908 regt er den Bau einer Hochdruckwasserleitung an, 1921 gründet er eine Mühlengenossenschaft, aus der später eine Mühle und eine Molkerei hervorgehen. 1933 bestimmen die Nationalsozialisten, dass er jetzt "Bürgermeister" und nicht mehr "Schultheiß" ist. Viele ihrer politischen Ideen gefallen Braun nicht, und weil er weiterhin versucht, seine Amtsgeschäfte so zu führen wie es ihm sein Gewissen diktiert, drohen ihm die Nationalsozialisten mit Konzentrationslager. Er zieht es vor, 1936 seinen Ruhestand zu beantragen.
Zwei Mal ist der in der heutigen Oberen Gasse 9 wohnende Joh. Jakob Flik verheiratet und hat insgesamt 17 Kinder. Elf seiner fünfzehn aus zweiter Ehe stammenden Kinder bleiben am Leben und tragen bis zu ihrem Ende an ihrem Vornamen den Zusatz "s'Schulza".
Flik bleibt bis zu seinem Tod am 9. April 1908 im Amt und ist der letzte einheimische Schultheiß.
Der Vater des zu Amtsantritt 47 Jahre alten Bauer Leonhard Weiß, Salomon Weiß, stammt aus Ostelsheim. Mit seiner Frau Anna Barbara, geb. Angerhofer, wohnt er in der heutigen Hauptstraße 34/2 und hat achtzehn Kinder, von denen acht im Kindesalter sterben. Zwei der Söhne wandern nach Amerika aus.
Weiß übt sein Amt bis zu seinem Tod am 29. Dezember 1885 aus - auf den Tag genau 14 Jahre lang.
Mit nur 34 Jahren übernimmt der Gemeindepfleger Georg Jakob Flik, Schwiegersohn des früheren Schultheiß Joh. Jakob Weiß, zu Jahresbeginn den Sessel im Rathaus. Anscheinend ein recht vermögender Mann, denn zwei Jahre zuvor hat er das Haus OP. 1835 Nr. 56 gekauft, heute Hauptstraße 15.
Mit 37 Jahren stirbt er am 26. Oktober 1871 an den Folgen eines Tumors.
Acht Jahre lang arbeitet Carl Immanuel Naschold unter Schultheiß Joh. Georg Luz als Ratsschreiber und ist dadurch gut vorbereitet für die Übernahme der Amtsgeschäfte im April 1860.
Mit 44 Jahren stirbt Naschold am 30. Dezember 1867.
Im Dezember 1853 stellt der Gemeinderat in Abwesenheit des Gemeindepflegers Joh. Georg Luz demselben ein Prädikatszeugnis aus, das das königliche Oberamt bei der Einsetzung eines neuen Schultheiß verlangt. Der Rat bezeichnet Luz als "einen der ersten Männer in der Gemeinde" und spricht sich deutlich für ihn aus. So übt Luz ab Januar 1854 die Amtsgeschäfte aus, bis zu seinem Tod am 28. Februar 1860.
In der Hoffnung, dass Joh. Jakob Weiß einen zwischen zwei Althengstetter Lagern entstandenen Graben wieder überbrücken kann, setzt der Gemeinderat ihn im September 1838 als Schultheiß ein. Seine jüngste Tochter Christiane Gottliebin heiratet den späteren Schultheiß Georg Jakob Flik. Und anscheinend schließt sich die Kluft im Sozialgefüge Althengstetts wieder.
In den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts kommt es zu Missernten. Sie erschweren auch die Amtsführung Weiß', denn die Gemeindekasse muss die in Not geratenen Einwohner unterstützen. Einige verlassen die Heimat in Richtung Amerika und bitten die Gemeinde um das Reisegeld dafür. Da der Pfarrer einmal 41 Gulden zu viel bekommen hat, fragt der Gemeindepfleger in dieser klammen Zeit nahc der Erstattung des Betrags. Der Pfarrer wiederum fühlt sich sowieso schon benachteiligt, da der Zehnt abgelöst wird*, und weigert sich. Die Kirche stellt sich hinter den Pfarrer und maßregelt Weiß, der daraufhin 1853 sein Amt niederlegt.
*1833 schaffte das Zehntgesetz den Zehnten ab.
Der Feldmesser Johannes Frohnmayer, Sohn des Metzgers und Gemeindepflegers Joh. Jakob Frohnmayer, übernimmt 1806 den Sessel im Rathaus. Seine Tochter Regina heiratet ihren Verwandten, den Bäcker Joh. Jakob Frohnmayer, der dann eine Bäckerei in ihrem Elternhaus betreibt. Um Verwechslungen mit weiteren Frohnmayers zu vermeiden, wird der Bäcker von jetzt an "Schulzenbeck" genannt.
Im Laufe der Amtszeit überwerfen sich Schultheiß Frohnmayer und Gemeindepfleger Kaz - der Streit spaltet Althengstett in zwei Parteien. 1838 rät der Gemeinderat Frohnmayer, sein Amt niederzulegen.
Aus Magstadt stammt Joh. Jakob Andler, der sich 1763 als Chirurg in Althengstett niederlässt. Sein Vorgänger Weiß ist der Großvater seiner Frau, und so bewirbt er sich um das Amt des Schultheiß, nachdem er schon Jahre zuvor, ebenfalls von Weiß, die Heiligen*- und Stiftungspflege übernommen hat.
Er führt ein, dass die alteingesessenen Namen Flick und Weick ab jetzt ohne c geschrieben werden. Der einzige Sohn Andlers wird Adler-Wirt.
Joh. Jakob Andler übt sein Amt bis zum Juli 1806 aus, als er unerwartet mit 75 Jahren stirbt.
*Heute: "Kirchenpfleger", d.h. eine Person, die die Verantwortlichen bei der Verwaltung des Kirchenvermögens berät und unterstützt.
Mit 58 Jahren übernimmt der Althengstetter Heiligenpfleger* Joh. Jakob Weiß die Rathaus-Spitze. Er vermacht dem herzoglichen Waisenhaus in Stuttgart und der Stiftungspflege in Althengstett einen Teil seines Vermögens. Neben dem Schultheißen-Amt, das er bis zu seinem Tod im Juli 1779 ausübt, fungiert er auch als Richter.
*Heute: "Kirchenpfleger", d.h. eine Person, die die Verantwortlichen bei der Verwaltung des Kirchenvermögens berät und unterstützt.
Geboren im Schwarzen Adler, lenkt Joh. Jakob Frohnmaier ab 1731 die Geschicke Althengstetts und baut das Haus Hauptstraße 5. Einer seiner Brüder ist Wirt im Schwarzen Adler, ein anderer führt den Hirsch.
Der Tuchmacher Martin Weick aus dem heutigen Haus Hauptstraße 42 übernimmt 1702 das Schultheißen-Amt. Beide seiner Ehen bleiben kinderlos. Mit 81 Jahren verstirbt er 1732.
1669 heiratet der Münklinger Schneider Georg Lechler ins heutige Haus Hauptstraße 32 ein und wird 23 Jahre später Schultheiß. Gestorben 1704 im Alter von 63 Jahren.
Mit 39 Jahren wird der Schwarze-Adler-Wirt Jakob Frohnmaier Schultheiß - als Wirt ist er wahrscheinlich gut über alle Geschehnisse im Flecken informiert. Er stirbt 1704.
Der Nachbar und Schwager Dürrs, Hans Flick, übernimmt 1661 den Schultheiß-Titel von Dürr. Er heiratet später ein zweites Mal und übt sein Amt bis zu seinem Tod am 21. Dezember 1679 aus.
Auf dem Grund des früheren siebten herrenalbischen Lehnshof baut Hans Dürr 1660 sein Haus, heute Kirchgasse 13.
Ob Leonhard Frohnmaier tatsächlich schon 1635 seine Amtsgeschäfte aufnimmt, kann nur vermutet werden. Die Wiederaufnahme der Eintragungen in die Kirchenbücher erfolgt erst ab 1638*, und für dieses Jahr finden sich Einträge von Frohnmaier als Schultheiß.
*zu Althengstett im Dreißigjährigen Krieg - 1618-1648 - s.o. unter "Vom Mittelalter bis 1900"
1586 heiratet der aus Gechingen stammende Aurelius Eisenhardt in das Haus Dürr ein, heute Hauptstraße 29. Ob in den Wirren des Dreißgjährigen Kriegs* oder an den Folgen der Pest - Eisenhardt verstirbt jedenfalls im September 1634. Genaueres könnten wahrscheinlich die Kirchenbücher erhellen, wenn nicht der Zeitraum 1622-1638 verloren gegangen wäre.
*zu Althengstett im Dreißigjährigen Krieg - 1618-1648 - s.o. unter "Vom Mittelalter bis 1900"
Zum Hengstetter Mattheus Mohr finden sich quasi keine Daten. Man weiß nur, dass er 1609 Pate des Pfarrerssohns Benedikt Krafft wird. Und man vermutet, dass seine Frau nicht aus Hengstett stammt, weil auswärtige Eheschließungen nicht im Hengstetter Ehebuch vermerkt werden.
Drei Mal ist Hans Kirchherr verheiratet und bewohnt das heutige Gebäude Mittlere Gasse 8.
Zehn Jahre lang lenkt Hans Fronmaier - Fronmaiers in allen Schreibweisen gibt es in Hengstett seit mindestens dem 15. Jahrhundert - Ruhl ab. Er ist mit der Hengstetterin Margarethe Strobel verheiratet.
Die Datenlage ist auch bei Heims Nachfolger Marcus Ruhl dürftig. Man weiß nur, dass er aus Hengstett stammt, im Gebäude OP. 1835 Nr. 61, heute Gaisrain 2, wohnt und mit der Hengstetterin Anna Lodholz in zweiter Ehe verheiratet ist.
Gestorben am 9. Oktober 1619.
Wie die Schultheiße im 16. Jahrhundert gewählt werden, ist leider nicht überliefert. Aber auch Valentin Heim übt das Amt schon in dem alten Rathaus aus, das mitten im Ort steht und 1967 abgerissen wird. Gesichert ist er ab 1559 Schultheiß, da ab diesem Jahr das Tauf- und Ehebuch unter den Kirchenbüchern geführt wird und sowohl er als auch seine Frau Katharina als Paten eingetragen sind.
Über die Geschichte Althengstetts, Neuhengstetts und Ottenbronns informieren u.a. folgende Bücher:
alle erhältlich im Rathaus, in den beiden Ortsverwaltungen und in Prägers Buchlädle, Althengstett