Entstehungsgeschichte
Bis ins 11. Jahrhundert reicht die Geschichte der Markuskirche zurück. Man sagt, Papst Leo IX., ein Verwandter der Grafen von Calw, habe sie im Jahr 1049 geweiht. In der Bausubstanz finden sich allerdings keine Spuren der Romanik (950 bis 1140). Der spätgotische Chor, heute der älteste Teil der Kirche, stammt aus der Zeit um 1500. Das Kirchenschiff zeigt sich in modernerer, schlichterer Form, die es im Laufe mehrerer Bauphasen im 17. und 18. Jahrhundert erlangte. Ein achteckiges Stockwerk thront über den mittelalterlichen, quadratischen Geschossen des Chorturms, gekrönt von einem spitzen Helm. Im Inneren tragen Rippen das Chorgewölbe, und eine Mondsichelmadonna ziert einen seiner Schlusssteine.
Chor
Der Chor datiert ziemlich sicher aus der Mitte des 15. Jahrhundert. Seine Maßwerkfenster stammen aus dem späten 15. Jahrhundert und tragen seit den 1950er Jahren Glas aus der Werkstatt des Stuttgarter Künstlers Prof. Rudolf Yelin. Sie zeigen den Oster- und Pfingstzyklus, und es findet sich unter den dargestellten Jüngern auch eine Frau!
Das Kreuz in der Mitte des Chors stammt aus dem 12. Jahrhundert und hing lange an einem unbekannten Ort. Deutlich jüngeren Datums ist der Taufstein: Er wurde 1913 geschaffen. Und in der Markuskirche läutet die wahrscheinlich älteste Glocke im gesamten Landkreis Calw: Man goss sie im 13. Jahrhundert.
Diese Form einer Chorturmkirche war für den Zeitraum 1470 bis 1510 für den Nordschwarzwald ganz typisch.
Mutterkirche der Umgebung
Althengstett diente lange als Hauptkirchspielort für die Gegend: Bis zum Ende des 11. Jahrhunderts und damit der zweiten Gründung des Klosters Hirsau fungierte die Markuskirche als Mutterkirche für Calw und Altburg. Das ursprünglich calwische Patronatsrecht wurde 1301 von den Grafen von Eberstein-Zweibrücken an die Grafen von Württemberg verkauft, die es 1342 an das Kloster Hirsau abgaben.
Wehrkirche und Burganlage
Ringsum sichern zum Teil noch gut erhaltene Befestigungsmauern die Kirche. Vor allem im oberen Bereich wurden sie erneuert. Sie sprechen dafür, dass die Kirche zwischen 1350 und 1450 als Kirchenburg ausgebaut wurde. Direkt neben der Kirche stand außerdem die Burg der zur Ministerialität der Grafen von Calw gehörenden Herren von Hengstett, die seit dem 12. Jahrhundert belegt sind. Sehr wahrscheinlich führte eine kleine Zugbrücke von der Burg zum Giebel der Kirche - wer genau hinschaut, kann dort heute noch eine Türöffnung erahnen. Dieser enge Konnex von Kirche und Burg eines Ortsadelsgeschlechts ist eine ausgesprochene Seltenheit. Für eine Funktion als Wehrkirche sprechen auch die typischen "Gaden": Lagerräume, die als Speicher im Dachgeschoss in Belagerungszeiten die Bewohner von Burg und Kirche mit Vorräten versorgten.
Nach dem Landbuch von 1623 wurde diese Burg 28 Jahre zuvor abgebrochen, also 1595, und mit diesem Abriss schwand auch ein großer Teil der Wehrmauern.
Der ehemals vor der Mauer liegende Graben ist aufgefüllt. 1860 war ein Teil des Wassergrabens noch vorhanden und wurde als Wette genutzt, gespeist von einer Quelle, die im Keller eines auf dem ehemaligen Kirchengraben stehenden Gebäudes entsprang. Um die Kirche lag der Gottesacker, bis 1836 etwas außerhalb ein neuer angelegt wurde.
Das Umfeld der Markuskirche
Um die Kirchenburg lagen mehrere Gemeindebauten. Heute noch erhalten ist das Backhaus. Abgerissen wurden hingegen: das Dorfwaschhaus (Kirchgasse 14), das ehemalige Kindergarten- und Lehrerwohngebäude (Kirchgasse 6) und auch das Schulhaus. Und ganz in der Nähe stand auch das Alte Rathaus, das 1965 als Verwaltungssitz aufgegeben und zwei Jahre später abgebrochen wurde.
Dreigeteiltes Patrozinium
Und warum trägt die Kirche gleich drei Namen, nämlich Markus, Maria und Martin? Dieses so genannte geteilte Patrozinium weist darauf hin, dass im 15. Jahrhundert mehrere Altare aufgestellt waren.
11. Jahrhundert
Gotik
Maria-Martin-Markuskirche mit Ummauerung und Kirchhof, verputzter Saalbau mit Eckquaderung aus rotem Buntsandstein, Westturm, polygonaler Chor, 1049 geweiht. Die nach Osten ausgerichtete Chorturmkirche ist im wesentlichen spätgotisch, der Turm geht aufs Hochmittelalter zurück.