Spiritueller Waldenserweg

Auf rund 11 Kilometern, bzw. auf 5,4 bei der kurzen Variante, lernen Wandernde das Erbe der Waldenser kennen, die wegen ihres Glaubens aus dem französischen Savoyen flüchten mussten und sich 1700 im heutigen Neuhengstett ansiedelten. An elf Infostationen, auf der kurzen Variante an acht, lernt man ihre Schritte in die neue Heimat kennen, die von tiefer Spiritualität geprägt waren, und ist eingeladen, innezuhalten und seinen eigenen Lebens- und Glaubensweg zu reflektieren.

Lange Variante

Vom Parkplatz am Friedhof Neuhengstett geht es auf dem Welschen Weg und der Hummelwiesenlinie zum Esslesbrunnen und an einem kleinen Biotop vorbei Richtung Ottenbronn. Der Weg folgt ein Stück der Straße aus Ottenbronnn heraus, dann der K 4309 und quert sie später. Am ehemaligen Waldkindergarten vorbei bringt die Route Wandernde durch den Gerechtigkeitswald Richtung Hofgut Georgenau, und kehrt denn Richtung Neuhengstett zurück. Einen Stopp Wert sind Waldenserstein und Stiftungsgarten, nicht zuletzt wegen des weiten Blicks über Neuhengstett. Wieder nach Neuhengstett und dort vorbei an Waldenserkirche, Altem Rathaus und Waldensermuseum zurück zum Start.

Kurze Variante

Zu Beginn folgt die kurze Variante 100 Meter der langen, biegt aber dann Richtung Sportgelände ab und führt weiter bis zum Tennisplatz. Dort ist die erste Station der kurzen Variante, Station A. Hinter dem Nebenplatz, und zwar parallel zu ihm, verläuft der Weg weiter geradeaus zum Markstein mit seinen Hinweisen auf den Neuhengstetter Waidgang. Nach einem kurzen Stück nach rechts auf den Brentenhäulesweg abbiegen bis zur Forsthütte am Neuen Weg. Diesem nach rechts folgen, an seinem Ende wieder nach links bis zur Station B. Dem Weg weiter bis zur K 4309 (Hengstetter Straße) folgen, dann nach rechts parallel zur Kreisstraße 4308. Dort rechts abbiegen und 700 Meter der Straße nach. Wer hier abbrechen und zurück zum Start wandern will, nimmt die Ottenbronner Straße, die kerzengerade nach Neuhengstett führt. Alle anderen überqueren die Ottenbronner Straße und erreichen Station 5. Die kurze Variante folgt dem Feldweg parallel zur Kreisstraße bis zum Waldenserstein. Ab hier folgt die kurze der langen Variante des Waldenserwegs.

Die Bewegung der Waldenser geht auf einen Mann namens Waldes aus Lyon zurück. Er lebte Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts und war erfolgreicher Kaufmann, seine Geschäfte liefen gut. Zwischen 1170 und 1180 entschloss er sich zu einem Leben in Armut und begann zu pre­digen, obwohl er Laie war. Er orien­tierte sich an den biblischen Aufrufen zur Armut (Die Bibel in Matthäus 19,24) und gab seine Besitztümer den Armen.
Seine Anhänger verbreiteten sich rasch als Laienprediger und lasen öf­fentlich aus der Bibel vor. Das gefiel dem Klerus nicht. Der sah die Hoheit über Bibelverbreitung und -auslegung bei sich. Trotz Predigtverbot und der Verurteilung als Ketzer verbreitete sich das Waldensertum im Laufe des Mittelalters in Frankreich, Italien, der Schweiz, Deutschland, Böhmen und Polen. Um 1530 nahmen die Waldenser Kontakte mit Reformatoren wie Johannes Oekolampad (Basel) und Martin Bucer (Straßburg) auf und schlossen sich der Reformation schweizerischer Prägung an. Ab 1555 gründeten die Waldenser eigene protestantische Kirchen nach dem Mo­dell Calvins in Genf. Die ersten reformierten Kirchen entstanden im Piemont, im Dauphiné und in der Provence.

Der Glaube der Waldenser

Was war das Besondere am Glauben der Waldenser? Sie unterschieden sich im Mittelalter in ihrer Lehre und Praxis deutlich von der römischen Kirche. Ihre geistlichen Leiter (Barben) waren Laien, die in Armut lebten und wanderten. Sie verlasen die Heilige Schrift in ihrer Volkssprache, dem Okzitanischen, und hielten sich an die wortwörtliche Lektüre der Bibel. Die Waldenser lebten nach dem Ideal der Armut und lehnten das Fegefeuer ab, erkannten also nur Himmel und Hölle an. Sie hatten drei statt sieben Sakramente: Taufe, Beichte und Abendmahl.
Oftmals ließen sich ihre Grundsätze schwer mit dem alltäglichen Leben vereinbaren, denn sie riskierten, als Ketzer aufzufallen und verfolgt zu werden. Deshalb trafen sie sich heimlich mit ihren Predigern. In ihrem All­tag in den Dörfern des Piemonts, Dauphine und der Provence unterschie­den sie sich in ihrem religiösen Verhalten kaum von den anderen Einwoh­nern - in allem bewahrten sie sich ihren Glauben und ihre Identität.

Wunderbar einfach erklärt übrigens dieses  Video die Geschichte der Waldenser.

Gibt es Momente in meinem Leben, durch die sich mein Glauben oder meine Überzeugungen verändert haben?

Weiter zu Station 2

Vom Neuen Friedhof Neuhengstett zunächst der Calwer Straße nach aus dem Ort hinaus, dann auf dem Welschen Weg geradeaus in den Wald. Nach 900 Metern kommt die Kreuzung Hummelwiesenlinie / Welscher Weg in Sicht.

Kurze Variante: weiter zu Station A

Wer kürzer gehen will, biegt Richtung Sportgelände Neuhengstett ab und geht bis zum Tennisplatz.

Kleiner Zeitsprung: Mit der Regierung König Ludwigs XIV. wuchs der Druck auf die Protestanten in Frankreich (Hugenotten), denn er hob das Edikt von Nantes auf. Dieses hat­te den Protestanten bürgerliche und religiöse Rechte zugestanden. Nun wurde 1685 den Protestanten verboten, öffentlich ihren Glauben zu bekennen. Auch die Waldenser im französischen Chisonetal waren von der Aufhebung des Ediktes von Nantes betroffen. Viele wurden zu Neukatho­liken, schworen also ihrem Glauben ab, oder ergriffen die Flucht. Manche dauerhaft, andere kehrten unter Führung von Henri Arnaud 1689 zeitweilig zurück. Nach neun Jahren kam es dann zu einer zweiten Auswanderungs­welle von Waldensern aus dem Chisonetal.

Die Waldenser aus dem Chisonetal kamen 1699 bis 1701 nach Hessen und Württemberg. Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg hatte ihnen im vom 30-jährigen Krieg schwer zerstörten Herzogtum Zuflucht und Privilegi­en geboten. So wurde am 1. September 1700 Neuhengstett gegründet, da die Waldenser zunächst Bourcet (nach ihrem Herkunftsort) nannten. 1716 taucht erstmals der Name Neuhengstett auf. Dort angekommen wohnten die Waldenser die ersten Jahre in provisorischen Unterkünften, in Baracken.

Einen aktuellen Überblick zu Flüchtlingszahlen liefert die UNO-Flüchtlingshilfe.

Bleiben für einen Neubeginn in Württemberg, oder gehen? Wie ist das mit unseren Entscheidungen, die wir treffen müssen und von de­nen wir oftmals nicht wissen, ob es die richtigen oder die besseren zu einer Alternative sind. Wer oder was hilft mir in solchen Situationen?

Weiter zu Station 3

An der Kreuzung rechts abbiegen und dem Weg 500 Meter bis zur Hinweistafel „Esslesbrunnen" (Wasserweg) folgen. Der Brunnen befindet sich linkerhand etwas abseits des Wegs.

Einige Meter neben dem Haupt­weg liegt umgeben von Bäumen der Esslesbrunnen. Heute ruht er stil, die Umge­bung spiegelt sich im Wasser. Schwer vorstellbar, dass um sein kostbares Wasser heftig gestritten wurde...
Die wirtschaftliche Grundlage der Waldenser wurde durch Befehle und besondere Privilegien des Herzogs garantiert. Diese waren u.a. Selbstver­waltung, Hilfeleistungen in Form von Baumaterialien, zehn Jahre Steuerbe­freiung. Kein Wunder, dass dies immer wieder zu Konflikten mit den Nach­barn führte.

Streit um die Viehtränke

So kam es zu Streitigkeiten zwischen den Neuhengstettern, Althengstettern und den Bewohnern des Ottenbronner Hofes. Der Esslesbrunnen diente als Viehtränke, wurde aber von allen drei Parteien beansprucht. Der Herzog ließ einen Grenzstein in die Mitte der Quelle versetzen, sodass alle Beteiligten ihre Viehherden zur Tränke führen konnten, ohne dabei ein anderes Grundstück zu betreten - ein wahrhaft salomonisches Urteil.

Streit um die Viehtränke als Video

Ein Video von ZDFtivi erklärt anschaulich, wieviel Süßwasser es wo auf der Erde gibt, und warum jeder Tropfen wertvoll ist. Interessant nicht nur für Kinder!

Der Esslesbrunnen als notwendige und wohltuende Quelle des Lebens. Zwei Bibelworte für den nächsten Wegabschnitt: „Auf, ihr Durstigen, kommt zum Wasser! Geht los, auch wenn ihr kein Geld habt." (Jesaja 55,1), „Jedem, der durstig ist, werde ich aus der Quelle, die das Wasser des Lebens enthält, umsonst zu trinken geben!" (Offenbarung 21,6). Welche Quellen gibt es in meinem Leben? Woraus werden sie gespeist?

Weiter zu Station 4

Zurück auf den Hauptweg (Wasser­weg) und weiter geradeaus. Nach 500 Metern erreicht die Route  über die ansteigende Hengstetter Straße ein Plateau mit einer Sitzgelegenheit.

Diese Station führt gedanklich nochmals ins 16. und 17. Jahrhundert zurück, in dem die Walden­ser ihren Glauben öffentlich bekannten und verfolgt wurden.

Katholisch werden oder in protestantische Länder fliehen: Viele entschieden sich für die Flucht. Bis zu 3000 Glaubensflüchtlinge machten sich über steinige Alpenpässe auf in Richtung Genf. Über 2000 Meter hoch war der Pass des Mont Cenis, den es bei Wind und Wetter zu überwinden galt. Von Genf ging es weiter per Schiff oder auf langen Fußmärschen über Schaffhausen und Tuttlingen in die Orte, die für sie in Württemberg oder Hessen bestimmt waren.

Das Herkunftsdorf Chasteiran di Bourcet

Ein Wort aus der Bibel zu - manchmal steinigen - Wegen: So spricht der Herr, der einen Weg durch das Meer bahnte, einen trocke­nen Pfad durch mächtige Fluten. [...] Denkt nicht mehr daran, was war und grübelt nicht mehr über das Vergangene. Seht hin; ich mache etwas Neues; schon keimt es auf. Seht ihr es nicht? Ich bahne einen Weg durch die Wüste und lasse Flüsse in der Einöde entstehen.

Weiter zu Station 5

Auf der Hengstetter Straße geht es für 400 Meter geradeaus und nach einer Scheune rechterhand rechts ab. Der Feldweg bringt Wandernde dann 800 Metzer weit parallel zur Kreisstraße bis zur Einmündung (Hirsau-Möttlingen). Dort rechts abbiegen und 700 Meter der Straße nach. Wer hier abbrechen und zurück zum Start wandern will, nimmt die Ottenbronner Straße, die kerzengerade nach Neuhengstett führt. Alle anderen überqueren die Ottenbronner Straße und erreichen Station 5.

In Neuhengstett fallen die geraden Straßen­züge auf. Die Häuser im historischen Orts­kern stehen mit den Giebelseiten zur Straße. Geplant wurde die Straßenführung und Aus­richtung der Gebäude vom Land- und Feld­vermesser Johannes Stahl. Diese Planung am Reißbrett ist auch heute noch erkennbar. Wie hier auf dem 2016 - 01 - Markungs- und Ortsplan.pdf.

Auch wenn Neuhengstett auf den ersten Blick so aussieht: Es ist kein typisches Waldhufendorf, eine ebenfalls historische Siedlungsform aus dem Mittelalter. Damals mussten Menschen unter dem Druck einer wachsenden Bevölkerung den dunklen, dichten Schwarzwald urbar machen. Wer sich dafür interessiert, sollte den Waldhufenpfad im nahen Bad Liebenzeller Stadtteil Beinberg unter die Sohlen nehmen.

Wo habe ich im Leben gerade oder leichte Weg­stücke erlebt?

Dieser Impuls lädt ein, das folgende Wegstück in Stille zu gehen.

Weiter zur Station 6, lange Variante

200 Meter dem Feldweg pa­rallel zur Kreisstraße nach, bevor er auch diese überquert. In Richtung ehemaligem Waldkin­dergarten und an diesem vorbei geht es in den Wald (Strietsträßle) bis zur Station 6. 

Kurze Variante: direkt zu Station 8 (Waldenserstein)

Die kurze Variante folgt dem Feldweg parallel zur Kreisstraße bis zum Waldenserstein.

Habe Mut zum Innehalten
zum Staunen
über das Blühen und Vergehen
das Wurzeln und Wachsen
Unterbreche Gewohntes
gönne dir Zeit
koste geschenkte Augenblicke aus
nimm wahr, was kommt
und lass es so gut sein
Lausche in die Stille
lass die Gedanken schweifen gib deiner Sehnsucht Raum
Spüre die Ruhe und den Frieden
die sich mit jedem Atemzug in dir weiter ausbreiten
Entdecke tief im Herzen
dass du verbunden bist
mit der Fülle des Lebens
wie du getragen und gehalten wirst
dass die Quellen der Hoffnung
nie versiegen
und in dir
immer wieder neu aufbrechen

Text (gekürzt): Bernhard Kraus

2025 - OR - Entspannungsgeschichten-für-Kinder-und-Erwachsene.pdf

Weiter zu Station 7

Nach rechts in den Jagweg abbiegen und 700 Meter weiter bis zum Pflanzschulsträßle; dort rechts abbiegen. Nach weiteren 500 Metern an einer T-Kreuzung rechts auf den Härdlesweg - linkerhand liegt jetzt das Hofgut Georgenau. Bis zur Station 7, die in einer Parkbucht liegt, sind es noch rund 600 Meter.

Die Waldenser Neuhengstetts hatten stets eine enge Verbindung zum Hofgut George­nau. Es bot ihnen Arbeit, als es darum ging, hinzugekauftes Land zu roden. Es versorgte sie. Der spätere Besitzer des Hofguts, Emil Wilhelm Georgii-Georgenau, setzte sich eben­falls stark für die armen Waldenser ein. Georgii wusste, was es hieß, seine Heimat seines Glaubens wegen verlassen zu müssen. Seine lutherischen Vorfahren wurden wegen ihres Glaubens einst aus Straßburg verwiesen. Wie er den Bewohnern Neuhengstetts half, erklären die nächsten Stationen ...

Mit diesen typischen Rezepten holt man sich den traditionellen Geschmack der Waldenser an den eigenen Tisch: Traditionelle Waldenser-Rezepte.pdf

Ein Wort aus der Bibel zum Versorgtsein:
Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer tägliches Leben - darum, ob ihr genug zu essen, zu trinken und anzuziehen habt. Besteht das Le­ben nicht aus mehr als nur aus Essen und Kleidung? Schaut die Vögel an. Sie müssen weder säen noch ernten noch Vorräte ansammeln, denn euer himmlischer Vater sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel wichtiger als sie. (Matthäus 6,25-26)

Weiter zu Station 8

Nach 50 Metern geht es rechts in einen Feldweg, der parallel zur Landstraße (Möttlingen - Neuhengstett) verläuft und nach 900 Metern die Landstraße erreicht. Auf dem Feld­weg bleiben und ca. 500 Meter der gelben Raute des Schwarzwaldvereins nach, bis der Feldweg die Straße Richtung Ottenbronn und Hirsau kreuzt. Über die Straße und nach links auf dem Feldweg Richtung Waldenserstein.

Der Waldenserstein ist 1881 auf­gestellt worden und bietet mit Sitzbänken und von Bäumen flankiert einen schönen Ausblick auf Neuhengstett. Er erinnert mit zwei Tafeln an den sozialen Einsatz der Gutsleute Georgii von Georgenau und an die Familien, die im Jahr 1700 in Neuhengstett ankamen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Der Waldenserstein ist der richtige Ort, um sich Zeit zu nehmen, sich an die eigene Herkunft zu erinnern und an Orte oder Menschen, die das Leben bisher geprägt haben.

Waldenserorte

Dazu einige Worte aus dem Psalm 139, 14: „Ich danke dir, dass du mich so herrlich und ausgezeichnet gemacht hast! Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl."

Weiter zu Station 9

Nach ein paar Schritten Richtung Neuhengstett an der Kreisstraße entlang, steht man an zwei Reihen von Obstbäumen. Sie erinnern an den früheren Stiftungsgarten (Station 9).

Der Boden war karg. Viele Fami­lien mussten dem ertragreiche­ren Ackerbau den Vorzug vor Obstbäumen geben. Den Stiftungsgarten legten 1881 der Besitzer des Hofguts Geor­genau, Emil Wilhelm Georgii-Georgenau, und seine Frau Sophie an. 207 Obstbäume sollten die ärmere Bevölkerung Neuhengstetts versorgen. „Der Ertrag dieses Obst­gartens ... ist für die Ortsarmen zu verwenden", heißt es in der Stiftungs­urkunde.

Genau gegenüber von den gepflanzten Bäumen des Stiftungsgartens fand übrigens der letzte Flugversuch von Davids Hoiner statt. 

Und hier noch ein paar Tipps, nicht nur für Kinder, wie sich Nächstenliebe im Alltag einbauen lässt - ganz einfach und wie nebenbei: Nächstenliebe.pdf

Wo haben Sie selbst - vielleicht unerwartet - Unterstützung erfahren, wurden versorgt? Wer wartet auf Ihre Hilfestellung?

Weiter zu Station 10

Ca. 100 Meter auf dem Weg zurück und am Walden­serstein nach links in den Feldweg einbiegen, der übrigens Teil des Hugenotten- und Waldenserpfads ist. Nach 700 Metern erreicht die Route Neuhengstett. Dort nach links halten und auf der Ottenbronner Straße 400 Meter weiter zur Waldenserkirche.

Besuchern von Kirchen in Waldensergemeinden fällt ein besonderes Wappen auf, das auch in der Neuhengstetter Kirche prangt: Hier hängt ein aus Holz gefertigtes Emblem, das einen goldenen Leuchter mit brennender Kerze auf blauem Grund zeigt. Dazu der Schriftzug „Lux lucet in tenebris" - das Licht leuchtet in der Finsternis. Die sieben Sterne, die den Leuchter umgeben, verweisen auf die biblische Zahl „Sieben". Gemeint sind damit die sieben Engel aus der Offenbarung des Jo­hannes:

„Das ist die Bedeutung der sieben Sterne [...] und der sieben goldenen Leuchter: Die sieben Sterne sind die Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind die sieben Ge­meinden selbst." (Offenbarung 1,20).

1702 wurde die erste, noch strohgedeckte Kirche errichtet. Einer Kirche aus Holz von 1716 folgte 1769 ein steinerner Bau. Heute erinnert eine Tafel im Altarraum an die Er­bauung der Kirche. Das Bibelwort von den lebendigen Steinen aus dem ersten Petrusbrief:

„Und nun lasst euch von Gott als lebendige Steine in seinen geistlichen Tempel einbauen.", l. Petrus 2,5

diente als Predigttext für die Einweihung der neuen Kir­che 1769 und trägt auch Bedeutung für das Petrus-Waldes-Hauses.

Was bedeuten „lebendige Steine" für Sie? Die Steine an der Außenmauer der Kirche: lassen sie sich begreifen? Können Sie dem Alter, der Arbeit der Steinmetze nachspüren ? Fühlen Sie den Regen der letzten Nacht, die Wärme oder Kälte des Tages? Fühlen sich verschiede­ne Steine verschiedenartig an? Keiner dieser Steine ist gleich, so wie auch kein Mensch einem anderen gleicht. Jeder bringt verschiedene Gaben mit. Wie trage ich zur Gemeinschaft bei? Wo ist mein Platz?

Lust, das Vaterunser in Patouá, der Sprache der Waldenser zu hören? Dann gerne auf das Waldenser-Vaterunser klicken, das der Sprachforscher Friedrich E. Vogt in den 60er Jahren auf Schallplatte eingesprochen hat.

Weiter zu Station 11

Kurz nach dem Rathaus in der Möttlinger Straße am Gedenkstein vorbei, auf dem die Herkunftsorte der Neuhengstetter Waldenser verzeichnet sind, nach rechts abbiegen und über Das Gängle zur Silcherstraße. Rechterhand führt der Mühlweg auf die Waldenserstraße (Verlänge­rung der Ottenbronner Straße). Hier nach links und 200 Meter weiter zum Waldenserfriedhof mit dem Waldensermuseum.

Das Ankommen in Württemberg fiel nicht leicht und dauerte seine Zeit. Manche Wal­denser suchten andernorts nach besseren Lebensbedingungen, manche träumten von einer Heimkehr in die Alpentäler. Die Pro­blematik der Integration zeigt sich auch an der Sprache. Im Alltag benutzten die Wal­denser zumeist ihren aus den Alpentälern mitgebrachten okzitanischen Dialekt. In Schule und Kirche hingegen wurde Französisch gesprochen. 1823 war das Jahr, in dem die württembergischen Waldensergemeinden in die evangelische Landeskirche integriert wurden. Die Gemeinden hatten fortan keine reformierten Pfarrer mehr, sondern evangelisch-württember­gische Pfarrer, die die Gottesdienste auf Deutsch und in der landeskirch­lichen Form feierten. Auch der Unterricht in der Schule musste in deutscher Sprache erteilt werden.

Die Waldenser verloren dadurch einen Teil ihrer Identität und Selbstän­digkeit. Dafür wurden künftig der Bürgermeister, Lehrer und Pfarrer durch Staat und Kirche finanziert, was den Waldensern half, da sie kaum in der Lage waren, die Gehälter ihrer Bediensteten zu bezahlen.

LEADER-Projekte in Neuhengstett

Zurück zum Start

Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite führt der Weg durch das Wohngebiet zur Straße Rote Erde. Nach rechts abbiegen und 200 Meter weiter zum Neuen Friedhof, dem Startpunkt des Waldenserwegs.

Jetzt ist das Ende des Waldenserweges in Neuhengstett erreicht. Er hat Orte berührt, die an die Geschichte der Waldenser erinnern. Mutig hielten sie in schwierigen Zeiten an ihrem Glauben fest und nahmen dabei Nachteile in Kauf.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke: Wo würde ich heute konsequenter und mutiger zu meinen Überzeugungen, meinem Glauben stehen? Wo gilt es heute, mutig zu widersprechen? Wo kann ich mich engagieren, um Menschen in Not zu helfen?

Kleiner Zeitsprung: Mit der Regierung König Ludwigs XIV. wuchs der Druck auf die Protestanten in Frankreich (Hugenotten), denn er hob das Edikt von Nantes auf. Dieses hat­te den Protestanten bürgerliche und religiöse Rechte zugestanden. Nun wurde 1685 den Protestanten verboten, öffentlich ihren Glauben zu bekennen. Auch die Waldenser im französischen Chisonetal waren von der Aufhebung des Ediktes von Nantes betroffen. Viele wurden zu Neukatho­liken, schworen also ihrem Glauben ab, oder ergriffen die Flucht. Manche dauerhaft, andere kehrten unter Führung von Henri Arnaud 1689 zeitweilig zurück. Nach neun Jahren kam es dann zu einer zweiten Auswanderungs­welle von Waldensern aus dem Chisonetal.

Die Waldenser aus dem Chisonetal kamen 1699 bis 1701 nach Hessen und Württemberg. Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg hatte ihnen im vom 30-jährigen Krieg schwer zerstörten Herzogtum Zuflucht und Privilegi­en geboten. So wurde am 1. September 1700 Neuhengstett gegründet, da die Waldenser zunächst Bourcet (nach ihrem Herkunftsort) nannten. 1716 taucht erstmals der Name Neuhengstett auf. Dort angekommen wohnten die Waldenser die ersten Jahre in provisorischen Unterkünften, in Baracken.

Einen aktuellen Überblick zu Flüchtlingszahlen liefert die UNO-Flüchtlingshilfe.

Bleiben für einen Neubeginn in Württemberg, oder gehen? Wie ist das mit unseren Entscheidungen, die wir treffen müssen und von de­nen wir oftmals nicht wissen, ob es die richtigen oder die besseren zu einer Alternative sind. Wer oder was hilft mir in solchen Situationen?

Weiter zu Station B

Hinter dem Nebenplatz, und zwar parallel zu ihm, verläuft der Weg weiter geradeaus zum Markstein mit seinen Hinweisen auf den Neuhengstetter Waidgang. Nach einem kurzen Stück nach rechts auf den Brentenhäulesweg abbiegen bis zur Forsthütte am Neuen Weg. Diesem nach rechts folgen, an seinem Ende wieder nach links bis zur Station B. 

900 Meter Luftlinie entfernt liegt umgeben von Bäumen der Esslesbrunnen. Heute ruht er still, die Umge­bung spiegelt sich im Wasser. Schwer vorstellbar, dass um sein kostbares Wasser heftig gestritten wurde... 
Die wirtschaftliche Grundlage der Waldenser wurde durch Befehle und besondere Privilegien des Herzogs garantiert. Diese waren u.a. Selbstver­waltung, Hilfeleistungen in Form von Baumaterialien, zehn Jahre Steuerbe­freiung. Kein Wunder, dass dies immer wieder zu Konflikten mit den Nach­barn führte.

Streit um die Viehtränke

So kam es zu Streitigkeiten zwischen den Neuhengstettern, Althengstettern und den Bewohnern des Ottenbronner Hofes. Der Esslesbrunnen diente als Viehtränke, wurde aber von allen drei Parteien beansprucht. Der Herzog ließ einen Grenzstein in die Mitte der Quelle versetzen, sodass alle Beteiligten ihre Viehherden zur Tränke führen konnten, ohne dabei ein anderes Grundstück zu betreten - ein wahrhaft salomonisches Urteil.

Streit um die Viehtränke als Video

Ein Video von ZDFtivi erklärt anschaulich, wieviel Süßwasser es wo auf der Erde gibt, und warum jeder Tropfen wertvoll ist. Interessant nicht nur für Kinder!

Der Esslesbrunnen als notwendige und wohltuende Quelle des Lebens. Zwei Bibelworte für den nächsten Wegabschnitt: „Auf, ihr Durstigen, kommt zum Wasser! Geht los, auch wenn ihr kein Geld habt." (Jesaja 55,1), „Jedem, der durstig ist, werde ich aus der Quelle, die das Wasser des Lebens enthält, umsonst zu trinken geben!" (Offenbarung 21,6). Welche Quellen gibt es in meinem Leben? Woraus werden sie gespeist?

Weiter zu Station 5 der langen Variante

Dem Weg weiter bis zur K 4309 (Hengstetter Straße) folgen, dann nach rechts parallel zur Kreisstraße 4308. Dort rechts abbiegen und 700 Meter der Straße nach. Wer hier abbrechen und zurück zum Start wandern will, nimmt die Ottenbronner Straße, die kerzengerade nach Neuhengstett führt. Alle anderen überqueren die Ottenbronner Straße und erreichen Station 5.

Sehenswürdigkeiten am Waldenserweg