Auch heute noch wohnt der evangelische Pfarrer im Pfarrhaus. Es gehört übrigens nach wie vor dem Bundesland Baden-Württemberg, nicht der Gemeinde.

Ein Umfassungsmauer friedet das evangelische Pfarrhaus aus dem Jahr 1609 und den Pfarrgarten ein. Das Haus liegt nahe der Maria-Martin-Markuskirche (Hauptstraße 23) im Zentrum des historischen Ortskerns - ganz typisch für Verwaltungsmittelpunkte der damaligen Zeit. Beim Betrachten erahnt man, wie Pfarrersfamilien auf dem Land in der Vormoderne (bis ca. 1800) gewohnt und gelebt haben.

Baugeschichte

Marte Messle, seines Zeichens Baumeister aus Stammheim, errichtete 1609 das heutige Pfarrhaus. Das Vorgängergebäude, an gleicher Stelle, fiel einem Brand zum Opfer. Messle legte im ersten Stock vier Zimmer an, von denen man immerhin drei beheizen konnte; außerdem Küche, WC und Speisekammer. Der zweite Stock bot einer Magd eine Kammer, dazu gab es eine zweite Kammer. Vieh- und Schafstall, Waschküche, Holzlege und Keller brachte der Baumeister im Erdgeschoss unter. Auf dem Hof errichtete er die Pfarrscheune mit einem zweiten Keller und zwei Schweineställe. Die Pfarrersfamilie versorgte sich und aus einem großen Küchen-, Gras- und Baumgarten.

Aufhebung des Zehnten und Umbauten

Nachdem ab 1833 der Zehnt abgeschafft ("abgelöst") wurde (s. dazu auch die Geschichte der Altengstetter Schultheiße und Bürgermeister, Ägide 1838-1853, Joh. Jakob Weiß), brauchte der Pfarrer einige Gebäude nicht mehr. 1889 brach man die Pfarrscheune ab; heute steht an ihrer Stelle die zum Pfarrhaus gehörende Garage. Im Haus wandelten sich Vieh- und Schafstall zu Abstellräumen; der erste Dachstock wurde zu Wohnzwecken aus- und umgebaut. 1953 modelte Pfarrer Röger mit Hilfe des Posaunenchors und anderer Gruppen den Viehstall zum Pfarrsaal um, in dem bis 1972 Bibelabende, Proben von Posaunen-, Kirchen- und Beerdigungschor und Frauen- und Jugendkreise stattfanden. Dann zogen die Aktivitäten ins neue Gemeindehaus um, und der südliche Eingang ins Pfarrhaus wurde wieder zugemauert. Heute nutzen die Pfarrer den Raum als Studierzimmer. 1976 löste eine Zentralheizung die alten Ölöfen ab.

Baujahr

1609

Architektur

zweigeschossiges verputztes Gebäude mit Satteldach, massives Erdgeschoss mit Eckquaderung aus rotem Buntsandstein