Entstehungsgeschichte
Schon 1702 - bereits zwei Jahre nach Gründung der Waldensersiedlung - öffnete im alten Siedlungskern von Neuhengstett eine strohgedeckte Kirche ihre Tore für die Gläubigen. 1716 erhob sich hier eine standfestere Kirche aus Holz, der die heutige Kirche aus Sandstein folgte. Sie wurde in nur fünf Monaten erbaut und am 27. Oktober 1769 eingeweiht. Bis heute bewahrt der Bau in Grundzügen sein damaliges Aussehen. Die Ausschmückung im Inneren und die regional ungewöhnliche Dachgestaltung weisen auf die Herkunft der Siedler hin. Auch wenn der Innenraum 1967 im Zuge seiner Renovierung etwas vom waldensischen Charakter verloren hat. 2011 erfuhr der Innenraum eine erneute Renovierung.
Tafeln im Kirchenschiff
Auf das Erbe der Waldenser verweisen die beiden Tafeln links und rechts an den Wänden des Kirchenschiffs.
Auf der steinernen Tafel von 1769 finden sich Bibelzitate auf Patouá, der Sprache der Waldenser, und die Namen der damaligen Vorsteher und Leiter der Kirche.
Die andere Tafel, 1967 in Holz ausgeführt, zeigt das Wappen der Waldenser: einen Leuchter mit Kerze, um die Flamme gruppiert sieben Sterne. Darüber steht das waldensische Motto "Lux lucet in tenebris" - "Das Licht leuchtet in der Finsternis." Die sieben Sterne stehen für die sieben Gemeinden weltweit; die Sieben ist außerdem die Zahl der göttlichen Vollkommenheit. Der Leuchter bezieht sich auf Matthäus 5: "Ihr seid das Licht der Welt." Er steht auf der Bibel, der Grundlage des waldensischen Lebens und dem Fundament ihres Glaubens. Links und rechts von Bibel und Leuchter recken sich immergrüne Pflanzen nach oben und symbolisieren so Hoffnung und Zukunft.
Bedeutung der Kirche
Die Kirche bildet zusammen mit Pfarrhaus und Schule gegenüber das Zentrum des geistlichen und öffentlichen Lebens der Waldensergemeinde. Sie ist somit nicht nur ein religionsgeschichtliches Zeugnis, sondern bietet auch einen Einblick in die Siedlungs- und Ortsgeschichte. Außerdem veranschaulicht das Ensemble die Lebensverhältnisse in Neuhengstett gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
1769
Massiver Saalbau aus unverputztem roten Buntsandstein, Bruchstein mit Eckquaderung, Mansarddach mit Dachreiter über der Eingangsseite, Polygonalchor, über Eingangsportal Schlussstein mit Datierung